Interview
FWM
Du entstammst einer musikalischen Familie. Mit welcher Musik und welchen Musiker/Innen aus den Bereichen Jazz, Klassik und Pop bist Du aufgewachsen?
FW
Ich bin fast ausschließlich mit klassischer Musik großgeworden. Durch meine Mutter, die Opernsängerin ist, hatte ich schon sehr früh, mit sieben Jahren, die Möglichkeit, Klavierauszüge von den verschiedensten Opern durchzuspielen. Meinem Vater, Professor für das Kunstlied, habe ich es zu verdanken, dass ich bereits mit vier Jahren Klavierunterricht bekam. Er hat mir auch Lieder von Schubert, Hugo Wolf und Debussy näher gebracht. Über diese klassischen Stücke habe ich versucht, neue Melodien oder zu den bestehenden Melodien neue Akkorde zu erfinden. Den Begriff Jazz kannte ich lange nicht.
FWM
Wie kommt man eigentlich von Detmold auf das Berklee College of Music in Boston?
FW
Im Rahmen eines Workshops bei einem des jährlich stattfindenden "Umbria Jazzfestivals" in Perugia gewann ich den Wettbewerb um ein Stipendium. Sämtliche Kosten für das Studium am Berklee College of Music in Boston wurden danach übernommen. Diese Chance konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
FWM
Du wurdest bereits vor einigen Jahren als "Jazzpiano Newcomer", gehandelt und mit sehr guten Kritiken bedacht. Empfindest du dich langsam zu alt und zu etabliert für dieses Etikett?
FW
Nein. Aber das Etikett Jazz empfinde ich als nicht mehr ganz passend. Jazz ist ein Ausdruck für improvisierte Musik, deren Wurzeln in den USA zu finden sind. Meine Wurzeln liegen jedoch in Europa. Natürlich bin ich vom Jazz beeinflusst worden, habe aber immer versucht, diese Eindrücke durch meinen ganz persönlichen Filter fließen zu lassen. Ich möchte in keine Schublade, ich improvisiere einfach Musik.
FWM
In welcher musikalischen Tradition siehst du dich zwischen all den Pianisten der Vergangenheit und Gegenwart?
FW
Ich begann, mit klassischer Musik zu improvisieren, bevor ich überhaupt den Begriff Jazz kannte, geschweige denn andere Jazzmusiker gehört hatte. Ich stehe also in gewissem Sinne in einer Tradition der klassischer Musik. Bei der Improvisation jedoch hatte ich von Anfang an meine eigenen Traditionen. Bewundert habe ich dabei immer die Musiker, die ebenso aus sich selbst heraus etwas entwickelt haben sei es klassische Komponisten wie Improvisatoren. Dabei stehe ich nicht losgelöst im Raum, sondern versuche, die aktuellen Eindrücke dieser Zeit in mich aufzunehmen und musikalisch auf meine Weise zu verarbeiten.
FWM
MINSARAH ist eines von mehreren musikalischen Projekten. Woran arbeitest du derzeit außerdem?
FW
Ich habe im letzten Jahr ein Streichquartett und ein Orchesterstück komponiert. Außerdem habe ich an der "Rhapsody in Blue" von Gershwin und an den Goldberg Variationen gearbeitet. Beides habe ich improvisatorisch umgesetzt. Auch habe ich ein paar Skizzen für verschiedene Duobesetzungen gemacht. Ich werde 2008 wieder mehr Filmmusik schreiben, nachdem ich in Boston viel mit diesem Medium gearbeitet habe. Mit meiner neuen Musikformation „Farbenweber“ werde ich meiner Musik eine neue Stilrichtung geben! In der Planung ist auch eine "Hymne" zur Varusschlacht, die in meiner Heimat vor 2000 Jahren stattfand.
